Mythenkalender #13: Lernen im Schlaf?

Schon mal von Hypnopedia gehört? Es handelt sich dabei um das Lernen im Schlaf und ist wohl der Traum aller Schüler*innen und Studierenden. Was ist dran am Mythos?

Es gibt ja Mythen, da wünscht man sich, sie wären wahr. Wie wäre es beispielsweise, wenn man sich den Lernstoff auch im Schlaf reinziehen könnte? Also nicht, so wie in Zeichentrickfilmen, das Buch unter den Kopfpolster legen, sondern eine CD oder ein MP3-File abspielen und quasi nebenbei lernen.

Quelle: Pixabay

Lange Tradition

De Bruyckere et al. (2015) zeigen, wie lange sich dieser Mythos schon hält. Alles begann damals mit Kassetten, im Zweiten Weltkrieg wurden dann auch erste wissenschaftliche Erhebungen gemacht, ob diese Art des Lernens auch wirkungsvoll sei. Ziel war, Spion*innen dabei zu helfen, im Schlaf möglichst schnell und effizient die regionalen Idiolekte der Länder zu erlernen, in die sie geschickt wurden. Die dort durchgeführten Studien konnten in ihren Ergebnissen im Westen jedoch nicht repliziert werden. Andere Untersuchungen zeigen zum Beispiel, dass sich Patient*innen unter Narkose nach dem Aufwachen an Gespräche während der Narkose erinnern können. De Bruyckere et al. (2015) verweisen darauf, dass diese beiden Settings jedoch nicht vergleichbar sind.

Mythos zerstört?

Nun, ein klein wenig Hoffnung ist gegeben: Wenn schon das Lernen nicht funktioniert, so doch die klassische Konditionierung. In Versuchen konnte gezeigt werden, dass Menschen, die während des Schlafens einen Ton hören und anschließend mit einem Geruch konfrontiert werden sich an diesen auch im Wachzustand „erinnern“ können, wenngleich das Verb „erinnern“ hier nicht ganz richtige ist.

De Bruyckere et al. (2015) schlussfolgern, dass noch Forschung notwendig sei, die sich mit dem Thema Lernen im Schlaf beschäftigen, betonen aber, dass man sich nicht darauf verlassen könne, im Schlaf weiterlernen zu können.

Schlafen und Lernen

Dass Schlaf und vor allem das Ausgeschlafensein für den Lernprozess wichtig sind, zeigen die Autoren in einer abschließenden Bemerkung, in der sie von einer Studie berichten, die zeigt, dass Schüler*innen am Nachmittag bessere Prüfungsergebnisse erzielen als bei Prüfungen am Vormittag. Hier bleibt aber der Hinweis ebenfalls nicht aus, dass noch mehr Forschung auf diesem Gebiet notwendig sei.

Und nun?

Wenn also das Lernen im Schlaf wahrscheinlich nicht funktioniert (–> Forschungsdesiderat), so ist der Schlaf für das Lernen dennoch wichtig. In dieser Ruhephase können nämlich Informationen aus dem Arbeitsgedächtnis ins Langzeitgedächtnis verfrachtet werden – okay, die Argumentation ist vielleicht nicht wissenschaftlich, aber die Ruhephase ist zum Lernen wichtig.

Gerade beim Sprachenlernen könnte man vermuten – und hier braucht es wahrscheinlich auch noch (weitere) Forschung –, dass die Sprachmelodie eingeprägt werden kann. Wenn also im Schlaf keine neuen Vokabeln gelernt werden können, so könnte sich das Gehirn an die Sprachmelodie, Intonation und Aussprache gewöhnen, die ja im Zweitsprachenkontext oftmals auch so unbewusst und nebenbei aufgesogen wird. Vielleicht nur ein Wunsch, oder ein Strohhalm, aber ein wenig zusätzlicher sprachlicher Input schadet nie (solange es sich nicht um konkrete Grammatikerklärungen oder Vokabeln handelt).

Weiterführende Lektüre

Quelle

De Bruyckere, Pedro; Kirschner, Paul A. & Hulshof, Casper D. (2015). „Neuromyths. Myth 6: We Can Learn While We Are Asleep“, in: dies. (Hg.), Urban Myths about Learning and Education. Amsterdam et al.: Elsevier: 116-118.

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