Open Educational Resources: eine Einführung

Vor Weihnachten durfte ich eine eLecture zum Thema Open Educational Resources (OER) halten, in der ich Tipps und Tricks aus der Praxis verraten habe. Hier meine Nachlese mit zahlreichen Links und Materialien.

Quelle: Pixabay

Mir liegen Open Educational Resources am Herzen. Deshalb habe ich die Lecture gehalten (hier der Link zur Aufzeichnung). Meine Blogs – Digitalanalog & Elkes Sprachenkiste – stehen unter einer offenen Lizenz, meine Präsentationen teile ich auf Slideshare unter Creative Commons und auch meine Vorliebe für den Arbeitsblattgenerator Tutory ist bekannt – auch hier teile ich meine Arbeitsblätter und Schulungsunterlagen unter einer offenen Lizenz.

Warum ich OER liebe?

Ich habe meine Motivation schon mehrfach im Blog und bei Vorträgen genannt. Es sind zahlreiche Gründe, einige davon hier noch mal genannt:

  • Ich kann mich mit dem österreichischen Urheberrecht (besonders §42 und §78) nur schwer anfreunden. Es erlaubt uns selbst nach der Reform noch recht wenig.
  • Ich bin sehr pragmatisch und stelle mir bei – z.B. allgemeinen Arbeitsblättern – immer wieder die Frage, ob sich nicht schon jemand anderes damit beschäftigt hat. Ich würde meine Zeit gerne dafür nutzen, spezifische Materialien für meine Schüler*innen oder Studierenden zu erstellen.
  • Ich bin nicht so kreativ wie viele andere und lasse mich gerne inspirieren. Wenn ich nun sehe, dass Kolleg*innen aus dem #Twitterlehrerzimmer lässige Spiele oder Vorlagen erstellt haben, dann kann ich diese nicht einfach klauen und im Unterricht nutzen. Ich bitte um diese Materialien. Die ich meist aber – wie vielleicht andere auch – relativ knapp vor einer Stunde vorbereite, kommen die Antworten nicht immer rechtzeitig.

Warum ich meine Materialien teile?

  • Viele der Materialien erstelle ich in meiner Dienstzeit. Ich finde es nur okay, sie auch zu teilen.
  • Sich die Mühe machen, etwas neu zu entwerfen, um es ein Mal zu verwenden… Das ist nicht mein Ansatz. Ich möchte aber auch nicht jahrelang mit den gleichen Materialien arbeiten, nur weil die Erstellung aufwendig war.
  • Vielleicht kann jemand meine Materialien brauchen – sie sind nicht perfekt, sie haben ihre Schwächen, aber vielleicht auch ihre Stärken. Durch die Weitergabe als OER kann jede*r sie adaptieren und ich bin froh, wenn ich Rückmeldungen erhalte.

Was sind Open Educational Resources (OER)?

Es handelt sich hierbei um Bildungsressourcen – und damit sind Arbeitsblätter, Videos, Spiele u.v.m. gemeint –, die offen zur Verfügung stehen. Während sich Bildungsressourcen inhaltlich greifen lassen in der Begrifflichkeit, ist das Attribut offen schon ein wenig schwerer zu greifen. Es gibt die einen, die offen mit kostenlosen gleichsetzen, was aber eigentlich nicht so gemeint ist, es gibt die anderen, die damit eine Veröffentlichung meinen, was damit aber auch nicht gemeint ist. Zumindest nicht ganz. 

Wiley hat sich in einem Blogbeitrag mit dem Titel Defining the „Open“ in Open Content and Open Educational Resources über eine Definition von OER Gedanken gemacht und hier die sogenannten 5R als notwendige Eigenschaften zusammengeschrieben:

  • Retain
  • Reuse
  • Revise
  • Remix
  • Redistribute

Auch die Seite OER info schlägt in die selbe Kerbe, als Beispiele seien die beiden Beiträge Zur Definition von „Open“ in „Open Educational Resources“ – die 5 R-Freiheiten nach David Wiley auf Deutsch als die 5 V-Freiheiten und Alle 5 R berücksichtigen! – OER als Thema auf der Open Science Conference in Berlin genannt.

Woran es vielfach scheitert

Hürden gibt es beim Erstellen von Open Educational Resources genügend. Zum einen ist nicht alles, was im Internet zu finden ist, als Material im Unterricht einsetzbar (sowohl qualitativ als auch rechtlich), zum anderen wird vielfach einfach nicht geteilt – Reuse und Redistribute wird nicht erfüllt. Vielfach sind die Materialien auch als PDF geteilt und sind nicht bearbeitbar, was das Revisen und Remixen erschwert. Und vielfach haben sie eigentlich keine offene Lizenz – als wirklich offen sieht Creative Commons nur CC0, CC BY und CC BY-SA an, alle weiteren sind keine Free Culture Lizenzen. Es scheitert aber auch schon daran, dass man die Materialien findet (Retain).

Wo findet man Open Educational Resources?

  • Es gibt mittlerweile zahlreiche Plattformen, dies sich zur Aufgabe gemacht haben, offene Materialien zu sammeln und teilen. Eine der Seiten ist die Seite von Creative Commons, auf der Plattformen gesammelt genannt werden. Scrollt man auf der Startseite nach unten findet man The Growing Commons, wo exemplarisch Materialiensammlungen genannt sind.
  • Ich bevorzuge für Bilder die Creative Commons Suchmaschine, die gleichzeitig den Vorteil bietet, gleich auch die richtige Attribuierung zu liefern (siehe unten). Das bedeutet, dass auch dem/der Nutzer*in auch die „Quellenangabe“ erstellt wird, die dann nur mehr kopiert werden muss.
  • Will man auf die Google Bildersuche nicht verzichten, so kann man diese nutzen, muss allerdings bei jeder Suche unter der Suchleiste unter Tools die Nutzungsrechte anpassen. Standardmäßig ausgewählt ist: Nicht nach Lizenz gefiltert.
  • Eine Suchmaschine, die nicht nur nach Bildern, sondern allgemein nach Ressourcen sucht, ist das OERhörnchen. Hier wird auch auf Videoplattformen oder in Musikquellen beispielsweise gesucht.

Wie erstellt man Open Educational Resources?

Es gibt auch andere Lizenzen als Creative Commons, ich möchte aber diese Plattform herausnehmen, weil sie sich im Bereich OER etabliert hat. Auf der Webseite selbst gibt es zum einen eine Übersicht über die unterschiedlichen Lizenzen und ihre Bedingungen inkl. Beispiele sowie einen Guide, der dabei hilft das eigene Material zu lizenzieren. Hierfür werden ein paar Fragen gestellt, nach deren Beantwortung die jeweils passende Lizenz genannt wird. Wenn alle Materialien, die man benutzt hat, OER-verträglich sind, dann lässt sich das eigene Material durch Anbringen des Lizenzsymbols lizenzieren. Dieses Symbol kann man Ende des Guides heruntergeladen werden.

Was muss man bei der Nutzung beachten?

Die Nutzung von OER sieht vor, die Materialien korrekt zu attribuieren. Man nennt es hier nicht zitieren, sondern man nennt die Quellenangabe das Attribuieren, da man hier den/die Urheber*in nennt. Auf der Webseite von Creative Commons findet man ein Beispiel, wie man attribuiert, weitere Beispiele sind auf dem CC Wiki zu finden. Hier wird zwischen der idealen und der ziemlich guten Attribuierung unterschieden – ich selbst nutze primär die ziemlich gute Variante, da sie für mich handlicher ist, optisch ansprechender und gleichzeitig dennoch alle notwendigen Informationen enthält.

Ich persönlich  bevorzuge das Video der OER Transferstelle, weil es alle notwendigen Informationen als Video enthält und die Stolpersteine nennt:

Video von Blanche Fabri, Melanie Kolkmann, Tessa Moje Jöran Muuß-Merholz für open-educational-resources.de – Transferstelle für OER | CC BY 4.0

Beim Attribuieren kann man sich dabei an die TULLU-Regel halten, die die notwendigen Elemente nennt:

Infografik von Julia Eggestein nach einem Konzept von Jöran Muuß-Merholz und Sonja Borski  für OERinfo – Informationsstelle OER | CC BY 4.0

Die Einzelteile und ihre Anwendung

  • Titel + (Link auf) Ursprungsort
  • Urheber*in
  • Lizenz + Link

Eine Attribuierung könnte also idealerweise so aussehen. Nehmen wir ein Beispiel, ein Bild auf Flickr.

Tipp: Die Lizenz erhält man auf Flickr, indem man unter dem Bild auf „Bestimmte Rechte vorbehalten“ klickt.

Hilfsmittel

Diese Attribuierung findet man als kopierbare Angabe, wenn man die Creative Commons-Suchmaschine verwendet automatisch erstellt.

Möchte man ein Foto aus der Wikimedia, also der Mediendatenbank hinter Wikipedia verwenden, dann kann man den Lizenzhinweisgenerator benutzen, der ebenfalls automatisch eine richtige Attribuierung erstellt, allerdings nur mit Wikipedia und Wikimedia funktioniert.

Meine bevorzugte Quelle

Pixabay: Weil die Bilder hier unter einer Pixabay-Lizenz stehen und unter dieser eine freie kommerzielle Nutzung möglich ist, aber kein Bildnachweis notwendig ist. Ich gebe die Quelle dennoch immer an, da ich a) zu faul bin, ein Foto noch mal zu suchen und b) ich fremde Materialien nicht als meine eigenen ausgebe(n will). Achtung: In der ersten Suchzeile bei Pixabay gibt es die sogenannten Shutterstock-Bilder, die ein Wasserzeichen tragen und zu bezahlen sind.

Achtung: Nur weil die Bilder hier zur Verfügung gestellt werden, heißt das nicht, dass man sie bedenkenlos verwenden kann/darf. Wo Menschen arbeiten, können auch Fehler passieren. Wenn man also den geringsten Zweifel hat, dass ein Bild wirklich frei verwendbar ist, dann sollte man es nicht nutzen. Zwei Beispiele hierfür: Es gibt weiterhin das Markenrecht (wie in diesem Beispiel) und das Recht am eigenen Bildnis (wie an diesem Beispiel). Gerade das Recht am eigenen Bildnis ist ein heikles Thema, das einer eingehenderen Beschäftigung bedürfte.

Kinderfotos im Internet

So ein Foto vom eigenen süßen Kind bringt immer viele Likes – leider auch von den Falschen.

Gepostet von quer am Freitag, 20. Dezember 2019
Quelle: Facebook

Ebenfalls gerne nutze ich Freepik (vor allem wegen der Vektorgrafiken) und Pexels bzw. Unsplash bzw. das Noun Project.

Ich habe meine Lieblingsquellen in einem Google Doc sowie mit kurzem Kommentar in einer Pinnwand auf Padlet zusammengefasst.

Mit Padlet erstellt

Außerdem finden sich in beiden Blogs Unterabschnitte, die als Sammlungen von OER zu sehen sind: Open Educational Resources bzw. Open Educational Resources in der Ressourcenkiste. Auf Elkes Sprachenkiste sind beispielsweise auch Unterrichtsbausteine (für Französisch, Italienisch und/oder Spanisch), die von meinen Studierenden erstellt wurden, unter Creative-Commons-Lizenzen downloadbar (inkl. aller Arbeitsblätter und Materialien).

Eine weitere schöne Übersichte zu Bildquellen liefert Armin Hanisch in einem Blogartikel, der sich speziell auch im Wording an Schüler*innen richtet.

Warum reite ich am Thema so herum?

Weil nicht nur wir Lehrer*innen für Urheberrechtsverletzungen zur Kasse gebeten werden können, sondern auch Schüler*innen beispielsweise bei Referaten. Dies hat der EuGH 2018 so festgehalten und deshalb ist es unsere Pflicht, nicht nur den Schüler*innen als gutes Beispiel voranzugehen, sondern ihnen auch den rechten Umgang mit urheberrechtlich geschützten Materialien beizubringen.

Eine Empfehlung zur Lektüre

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