Das coronakonforme Clubhouse

[Tl;dr] Die Social-Media-Landschaft ist um eine Anwendung reicher. Sie hat ihr eigenes #Clubhouse. Wozu es sich einsetzen lässt? Ich weiß es nicht.

Quelle: Pixabay

Der Hype um #Clubhouse ist in Deutschland und Österreich angekommen. Der Hashtag ist gerade trendig. Eine neue App. Neue Möglichkeiten. Diskussionen auf Augenhöhe. Für alle. Halt, nein. Nur für jene, die ein iPhone besitzen.

Die Meinungen auf Twitter gehen weit auseinander. Es gibt die, die Potentiale sehen, und es gibt die, die Sache ein wenig kritisch oder ironisch sehen. [Achtung, die Auswahl der Tweets ist höchst subjektiv und nach einem Funfactor aus einer aktuellen Stimmungslage entstanden.]

Aber der Datenschutz ist doch sicherlich gegeben?! Jetzt, wo alle so peinlich genau auf Datenschutz schauen, wegen der Änderung der Nutzungsbedingungen von WhatsApp.

T3N hat versucht, die Vor- und die Nachteile und die Funktionsweise zusammenzufassen für all jene, die nicht dabei sein können und Angst vor FOMO haben. Und auch der WDR hat sich mit dem Hype schon auseinandergesetzt und ihn für problematisch befunden.

Wo ist nun der Mehrwert?

Wie bei jeder neuen Applikation stellt sich die Frage: Wieso sollte ich auf den Zug aufspringen und die Applikation nutzen? Was kann ich damit tun? Welchen Sinn hat sie für mich?

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Ich kann die Frage nicht beantworten, denn ich habe den Sinn für mich nicht gesehen. Sie passt sich in die von Andreas Reckwitz formulierte Gesellschaft der Singularitäten ein; oder wie es auf Twitter auf den Punkt gebracht wurde:

Vielleicht ist es eine Möglichkeit des Working Out Loud und einer gelebten Kollaboration? Vielleicht ist es eine Möglichkeit, der schriftbasierten Diskussion in Messengern zu entkommen und einen kleinen Anflug von Stimmlage, Intonation und Gefühl abseits von Emojis in Diskussionen zu bringen? Vielleicht nimmt Clubhouse die Aufgabe, eine Alternative zur verkürzten Schriftlichkeit von Aussagen, auf und bietet Austausch auf gesprochener Ebene. Clubhouse erlaubt jedenfalls eine Audio-Diskussion und/oder so etwas wie einen Live-Podcast. Es gibt Räume, es gibt Sprecher*innen, es gibt Moderator*innen und es gibt Zuhörer*innen.

[EDIT] Einen anscheinend spannenden Zugang gibt es im Umgang mit Hate Speech, Trollen und ähnlichen Kommunikationsstörenden (ganzer Thread):

Das lässt sich aber auch mit anderen Applikationen erleben. Es ist wie ein Kanal auf MS-Teams oder ein Raum in BigBlueButton oder einer anderen Videokonferenzlösung, wo die Teilnehmer*innen die Kamera nicht eingeschaltet haben. Klar kann man hier sicherlich gut diskutieren – Dejan Mihajlović beschreibt in einem Blogpost sehr ausführlich von seinen positiven Diskussionserlebnissen: Clubhouse – ein neues soziales Netzwerk mit Potential. Es ist schön, wenn jede*r den eigenen Mehrwert findet.

Ich halte es eher mit Philippe Wampfler und sehe darin für mich den folgenden Mehrwert:

Prokrastination ist jedenfalls möglich. Oder wie eine Freundin erklärt hat: Das kann nebenbei laufen und man hört zu. Ja, wie ein Podcast – am Ergometer oder Laufband. Man hört einfach zu, wenn man möchte. Aber: Dafür ist es mir zu unübersichtlich. Ich habe noch nichts gefunden, das mich anspricht. Das mag aber auch an mir liegen. Ich gehe auch sonst nicht in Clubs und mag lieber den kleinen Rahmen zum Austausch.

Clubhouse zum Lernen?

Wenn Axel Krommer nach dem didaktischen Potential fragt, dann liest sich das so:

Aber es ist was Wahres dran. Gibt es eine neue Applikation, wird auch schnell versucht, Einsatzmöglichkeiten zu finden, um den Unterricht und die Lehre abwechslungsreicher [Anmerkung: Adjektiv austauschbar] zu machen. Und die Frage nach den didaktischen Möglichkeiten wird auch bereits diskutiert:

Clubhouse ist, wenn man die datenschutzrechtlichen Bedenken wegschiebt, sicherlich eine gute Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen und zu diskutieren. Eine Diskussion mit Schüler*innen und Natives in der Zielsprache ist ein mögliches didaktisches Szenario und gibt auch Authentizität. Dafür müsste man aber den Datenschutz ausblenden und die elitäre Situation der iPhone-Beschränkung.

Noch ist es ein Hype, die Frage ist, wie es weitergeht. Christian Müller zeigt es in einem kurzen Tweet auf:

Und auch Martin Lindner bringt es, aus einer anderen Perspektive, auf den Punkt:

Es gibt einen Bedarf an einer solchen Anwendung, es ist aber ein zusätzlicher Resonanzraum, eine zusätzliche Echokammer. Vielleicht auch die Möglichkeit, die eigene Echokammer durch neue Kontakte zu erweitern oder durchbrechen.

Mein Fazit?

Ich habe schon damals WhatsApp lange Zeit verteufelt und verweigert und bin letztlich doch bei WhatsApp gelandet.

Ich hatte mich geirrt bzw. für mich meinen persönlichen Mehrwert entdeckt. Diesen sehe ich bei Clubhouse nicht. Wenn ich mit Menschen diskutieren will, dann möchte ich sie irgendwie auch sehen – ich höre aus diesem Grund auch sehr selten Podcasts an. Wenn ich mit mir unbekannten Menschen über Themen diskutieren will, dann frage ich das #twlz | #twitterlehrerzimmer und erstelle eine Videokonferenz.

Ich liebe digitale Tools – ich denke, das ist bekannt. Ich teste viel und verwerfe viel. Vielleicht finde ich in den nächsten Tagen und Wochen einen Zugang zu #Clubhouse. Was ich aber in der Corona-Zeit gelernt habe, dann ist es eines:

Weniger ist Mehr!

Meine Ressourcen sind begrenzt. Die Ressourcen meiner Kolleg*innen sind begrenzt. Die Ressourcen „meiner“ Lerner*innen sind begrenzt. Wenn ein neues Tool eingesetzt werden soll, braucht es einen Unique Selling Point oder eine besondere Stärke. Vielleicht hilft mir der Austausch mit der Twitter-Bubble, meinen Zugang zu Clubhouse zu finden. Ein Einsatz im Unterricht ist für mich aktuell nicht denkbar. Ein Einsatz zu meiner eigenen Weiterbildung ist denkbar, aber noch nicht sichtbar. Vielleicht fehlt einfach ein Kaffee-Button, der mich überzeugt?

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Jedenfalls freue ich mich auf die Diskussionen in und über Clubhouse – mit wem und wo auch immer.

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