tl;dr: Viele praktische und auch ansprechende Tools fürs digitale (Zusammen-)Arbeiten scheitern im Schulkontext an Datenschutz, Altersfreigaben oder Kosten. Es gibt aber für viele Tools Alternativen, die DSGVO-konform, günstig oder sogar kostenlos sind – und genauso gut funktionieren. In diesem Blogpost zeige ich, welche Tools man nutzen kann oder wohin ich ausgewichen bin.
Die beste Unterstützung – oder doch nicht?
Hand aufs Herz: Wer ist nicht immer wieder auf der Suche nach technologischer Unterstützung, um den Unterricht ein wenig abwechslungsreicher zu planen und zu gestalten? Ideen visualisieren, gemeinsam schreiben, Aufgaben planen, kurze Lernstandserhebungen kreieren, ansprechende Präsentationen erstellen – perfekt, um die 4C-Kompetenzen zu fördern: Critical Thinking, Creativity, Collaboration und Communication. Artefakte werden gemeinsam besprochen, das Vorwissen wird aktiviert, kritische Fragen werden gestellt. In der Vorbereitung sollen sie nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen und sie sollten auch keine allzu lange Einarbeitung brauchen – weder für die Lerner:innen noch für die Lehrer:innen. Die Top 100 Tools for Learning, eine jährlich von Jane Hart herausgegebene Liste, hilft dabei, einen ersten Überblick zu bekommen und das vielleicht richtige oder passende Tool herauszupicken. Man sieht, welche Tools sich wofür eignen, wie lange sie schon am Markt sind und wie sie sich im Bildungskontext entwickelt haben.

Aber dann kommt der Realitätscheck: Gerade im Schulkontext gibt’s jede Menge Hürden. Altersfreigabe? Passt nicht für die geplante Schulstufe. DSGVO? Konformität nicht gegeben. Und die Kosten? Für ein paar Features zahlt man schnell ein kleines Vermögen. Es gibt viele Fragen, die beim Einsatz von Technologien im Lehr- und Lernkontext beantwortet werden müssen – das TPACK-Modell zeigt auf, welcher Kompetenzen es bedarf und welche Schnittstellen zwischen technologischen, pädagogischen und fachlichen beachtet werden müssen. Viele der in der Liste von Jane Hart zu findenden Tools können aus unterschiedlichen Gründen nicht eingesetzt werden. Es gibt aber für die eine oder andere Anwendung kleinere und nicht so bekannte Alternativen, die nicht nur genauso funktional, sondern auch datenschutzkonform und häufig kostenlos (oder als Freemium-Version) verfügbar sind. Warum also in die (US-)Ferne schweifen, wenn die Lösung DSGVO-konform vor der Tür steht?
In diesem Blogpost möchte ich genau diese Alternativen vor den Vorhang holen. Sie sind teilweise speziell für Schulen gemacht – oder zumindest so gestaltet, dass sie ohne Bauchweh eingesetzt werden können. Für jedes bekannte und beliebte Tool einer Kategorie, das leider nicht sicher nutzbar ist, gebe ich zumindest eine erlaubte Variante, mit der ich selbst im Unterricht und der Lehre gerne arbeite. Zum einen um meine Lehre damit anzureichern, zum anderen um Studierenden Alternativen zu den Big Playern zu zeigen.
Welche Alternativen gibt es?
Ich habe versuchte, die Tools jeweils einer Kategorie zuzuordnen, um das Auffinden zu erleichtern. Die Zuordnung ist dabei nicht immer nur zu einer Kategorie möglich, das ist klar. Hier sind einige der wichtigsten Kategorien digitaler Tools, die in Schule und Bildung häufig genutzt werden. Das Problem: Viele der beliebtesten Anwendungen sind nicht DSGVO-konform oder aus anderen Gründen für Schulen nicht geeignet. Aber: Es gibt für fast alles eine europäische, datenschutzfreundliche Alternative, die zwar nicht immer als eierlegende Wollmilchsau daherkommt, mit gewissen Abstrichen aber sicher nutzbar ist!
Es gibt ganz am Beginn eine 👑 Schatztruhe (Toolsammlung und Datenschutz-Check-Webseite), dann folgende Kategorien:
- 🤝 Kollaborative Pinnwände (Alternativen zu Padlet),
- ✍️ Kollaboratives Schreiben (Alternativen zu Google Docs und Word Online),
- 🤔 Umfragen & Abstimmungen (Alternativen zu Doodle),
- 🎨 Wortwolken (Alternative zu Wortwolken.com),
- 🗃️ Dateispeicherung (Alternativen zu Dropbox, OneDrive und GoogleDrive),
- 📋 ToDo-Listen und KanBan (Alternativen zu Trello),
- 🧮 Kollaboratives Rechnen (Alternativen zu Excel Online und Google Sheets),
- 📍Mindmaps (Alternativen zu Coggle und Mindmeister),
- 🇬🇧 Brexit-Tools (Tools, die durch den Brexit problematisch sein können),
- 📲 QR Codes (Alternativen zu QR Code Monkey) und
- ❓ Quizze (Alternativen zu Kahoot! und Quizizz).
Bei der Auswahl habe ich nicht nur selbst recherchiert, sondern auch die Webseiten des Bildungsservers Berlin-Brandenburg, von Datenschutz-Schule.info sowie der Medienfundgrube genutzt. Außerdem nutze ich gerne die Webseite von Alternative To, um mich über Alternativen zu informieren, wenngleich ich oftmals das Gefühl habe, mich in den Alternativen zu verlieren.
Die Sammlung entstand als Wakelet, das jetzt selbst aufgrund des Brexit ein wenig problematisch ist. Ich belasse es aktuell aber dabei. Auch wenn die Sammlungen viel mehr Tools nennen, habe ich mich auf jene konzentriert, die in der Freemium oder gar kostenfreien Version sinnvoll nutzbar sind.
‼️ Wichtig ‼️
- Die Altersfreigaben sind jeweils vor der Nutzung zu überprüfen. Soweit ersichtlich sind die ausgewählten Tools auch für die Sekundarstufe I nutzbar. Die Altersfreigaben werden jedoch immer wieder geändert und müssen deshalb laufend überprüft werden.
- Selbiges gilt auch für die DSGVO-Konformität, wie die Kommentare auf der Seite von Datenschutz-Schule.info zeigen, die Änderungen sehr transparent machen.
- Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass auch mir bei der Recherche Fehler passieren können. Wenn also Tools eingesetzt werden sollen, dann sollten diese davor noch einmal auf Herz und Nieren geprüft werden.
Warum mich das interessiert?
„Aber Google, Microsoft & Co. haben doch den Privacy Shield!“ – Nein, eben nicht. Genau hier liegt das Problem.
Der Privacy Shield war ein Abkommen zwischen der EU und den USA, das US-Unternehmen erlaubte, personenbezogene Daten von EU-Bürger:innen zu speichern – unter der Bedingung, dass sie sich an bestimmte Datenschutzregeln hielten. Klingt fair? Tja, das Problem ist aber, dass diese Regeln in den USA nicht wirklich durchsetzbar waren.

Der Europäische Gerichtshof hat den Privacy Shield 2020 im sogenannten Schrems II-Urteil für ungültig erklärt (hier nachzulesen). Vor fünf Jahren also und ich habe das Gefühl, dass darauf immer wieder ein wenig vergessen wird. Grund: In den USA haben Geheimdienste trotz allem weitreichende Zugriffsrechte auf gespeicherte Daten, und europäische Nutzer:innen haben keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Kurz gesagt: Wer seine Daten auf Servern in den USA speichert, kann nicht garantieren, dass sie wirklich sicher sind. Man kann zwar Beteuerungen glauben, dass es so sei, aber: Glauben heißt nicht wissen…
Das bedeutet, dass Schulen und Bildungseinrichtungen nicht einfach Google Docs, Zoom oder Padlet nutzen dürfen, wenn sie personenbezogene Daten verarbeiten. Auch wenn viele Tools mit „neuen Vereinbarungen“ werben – solange die Daten nicht sicher in Europa gespeichert werden, bleiben sie problematisch. Außerdem ist immer darauf zu achten, was mit Werbung passiert und welche Cookies es zu akzeptieren gilt. Diese beiden Fragen schließen auch das eine oder andere Tool aus, das den Sitz in Europa hat.
Die Auswahl von passenden Tools ist gar nicht so einfach – viele Pakete werden in den Schulen angeboten: Manche Schulen setzen auf Google, manche auf Apple, manche auf Microsoft… Ich hinterfrage auch hier die DSGVO-Konformität und die Art der Abkommen, die getroffen worden sind. Aber das ist eine andere Frage. Ebenso wie das unreflektierte Nutzen eines Google-, Facebook- oder Microsoft-Accounts bei der Anmeldung für andere Anwendung (Stichwort: Single Sign On – SSO). Klingt zwar praktisch, ist aber durchaus nicht ganz unproblematisch.
Und wer mich kennt, weiß, dass ich nach wie vor Tools verwende, die problematisch sind – Padlet zum Beispiel oder auch Wakelet, oder Answergarden oder Wortwolken. Ich will nicht päpstlicher wirken als der Papst oder Wein trinken und eigentlich Wasser predigen. Vielleicht ist diese Sammlung aber für die eine oder den anderen hilfreich. Wer Ergänzungen für mich hat: Ich würde mich sehr freuen, vom Schwarmwissen zu profitieren.