Wenn VUCA das Problem ist, ist dann VUCA die Lösung?

Die Welt, in der wir leben, wird immer öfter als durch vier Eigenschaften gekennzeichnet beschrieben, die sich hinter dem Akronym VUCA verstecken.

Das Schöne an Akronymen ist ja, dass man sie unterschiedlich auflösen kann. Es gibt eine anerkannte Lösung oder eine, die sich eingebürgert hat in Filterblasen und Communities. Das muss aber nicht die einzige Lösung sein. Ich finde es beispielsweise immer noch seltsam, wenn ich das Akronym SS lese, das in Unikreisen für Sommersemester steht, das sich infolge seiner historischen Besetztheit selbst durch SoSe abkürze. Ich habe es aber auch schon als Akronym für Schülerinnen und Schüler gesehen, das andere wiederum als SuS verwenden. Für Außenstehende wirken diese Akronyme oftmals wahrscheinlich wie eine Geheimsprache und manche werden auch richtig inflationär verwendet.

[Ein eigener Beitrag zur Akronymflut soll noch entstehen – hat ja was Zeitgeistiges, irgendwie…]

VUCA als Problem?

Ich weiß nicht, wie oft ich in der letzten Zeit auf Konferenzen von VUCA gehört habe. Unsere zeitgenössische Gesellschaft lasse sich durch vier Eigenschaften beschreiben, die gleichzeitig als Herausforderungen zu sehen sind:

  • Volatility: Die Zeiten ändern sich und zwar immer schneller und mit ihnen die Gesellschaft, die Technik, die Technologie.
  • Uncertainty: Wir können unsere Zukunft nicht mehr voraussagen, auch nicht die nahe (Achtung: Konnten wir das jemals? So stellte man sich die Zukunft in den 60ern vor.). Trendbarometer wie der Horizon Report zeigen diese Unverhersagbarkeit deutlich – Stephen Downes hat hierzu auf seinem Blog mal einen spannenden Blick drauf geworfen. (Hier auch ein ausführlicher Artikel dazu.)
  • Complexity: Systeme und Organisationen werden immer komplexer – Ursache und Wirkung spielen zwar zusammen, aber nicht mehr so linear wie früher.
  • Ambiguity: Die Welt ist mehrdeutig und diese Mehrdeutigkeit durchzieht unser Leben – Akronyme sind ein Beispiel, Fake News oder Deepfakes, Social Bots (danke @joeranDE) sind weitere (um nur einige wenige zu nennen).

Das Konzept oder dieser Ansatz stammt eigentlich aus der Unternehmensführung, dem Change Management und somit nicht ursprünglich dem Bildungsbereich (danke @mediendidaktik_):

Was sind die Implikationen für den Bildungsbereich?

Nun, die Volatilität führt dazu, dass sich auch der Bildungs- und Ausbildungsbereich anpassen müsste und zwar schneller als er es aufgrund seiner systemischen Organisation imstande zu sein scheint. Dies führt zu Unsicherheit, vor allem aber auch, weil wir nicht wissen, worauf wir die Jugendlichen vorbereiten sollen. Wir arbeiten heute mit Methoden und Inhalten von gestern, um die Jugendlichen für oder auf eine Zukunft vorzubereiten, die wir nicht kennen. Hätten Sie sich beispielsweise vor 20 Jahren gedacht, dass es ein Beruf sein wird, Apps für ein Smartphone zu entwickeln, die beispielsweise Plastikkarten ersetzen, die unsere Einkäufe tracken und über Algorithmen im Zeichen von Big Data einen gläsernen Menschen aus uns machen? Die Herausforderungen werden dabei immer komplexer – auch weil die Gesellschaft immer komplexer und heterogener wird und das immer schneller. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GERS) hat dieser Tatsache Tribut gezollt und Translanguaging und Plurikulturalität in den Referenzrahmen aufgenommen. Man kann die neuen Deskriptoren im GERS selbst nachlesen – es ist die Lektüre wert. Als Beispiel für den Unterricht seien die oben genannten Social Bots, Deepfakes, Fake News zu nennen, das Enttarnen von Photoshop-Bearbeitungen oder auch von Clickbaits. Die Themenliste ist lang…

Nehmen wir ein persönliches Beispiel als Gedankenspiel

Ich habe Lehramt studiert. Vor einigen Jahrzehnten hätte ich meine Anstellung relativ schnell nach dem Studium relativ fix gehabt und ich wäre wahrscheinlich auch lange Zeit – vermutlich bis zur Pensionierung – in diesem Beruf geblieben. Ist das heute noch immer so? Wenn ich mir mit meinen Fächern – Französisch und Italienisch – den Markt anschaue, dann habe ich relativ wenige Chancen auf eine Anstellung in der Schule. Die Schüler**innenzahlen für Französisch sind in Österreich rückläufig – ich kann mir also nicht sicher sein, Französisch wirklich zu unterrichten. Die Kompetenzen, die ich während meines Studiums erworben habe, waren eine Momentaufnahme: digitale Kompetenzen, sprachliche Veränderungen, didaktisch-methodische Entwicklungen, neue Technologien und Realitäten (AR, VR, MR), veränderte gesellschaftliche und soziopolitische (auch sozioökonomische) Rahmenbedingungen (Heterogenität als Schlagwort). Ich denke, man versteht, was ich meine. Hätte ich mit Materialien vor 20 Jahren vielleicht (und ich sage bewusst vielleicht) gut zehn Jahre unterrichten können, sind diese Materialien heute schon sowas von veraltet. Und hey, ich habe vor 20 Jahren noch die Matrize als Hauptform des Arbeitsblattes genossen, Overhead gab’s damals auch (funktionierte nur nie – alles beim Alten also), PowerPoint wohl auch, nutzte aber niemand (hatte ja auch niemand einen Computer im Klassenzimmer). Von Bots, Fake News und Deep Fakes hatte ich im Lehramtsstudium nichts gehört – bei uns galt es, zu erörtern, was wir mit Schüler*innen machen, die ihre Hausschuhe (Stichwort: Patschenpflicht) nicht anziehen wollen…

Das Spannende an diesen vier Eigenschaften oder Herausforderungen ist, dass ich versucht habe, sie aufzudröseln und separat zu sehen für diesen Post. Sie bedingen einander aber und diese Bedingtheit macht die wirkliche Herausforderung aus, denn eigentlich gelten diese vier Eigenschaften und Herausforderungen schon immer. Meines Erachtens aber nicht in dieser Verzahnung.

Quelle: Pixabay

VUCA als Lösung?

Das Bild ist ein ziemlich düsteres irgendwie. Gleichzeitig bietet VUCA aber auch die Lösung an, denn man könnte das Akronym auch so ausschreiben:

  • Vision: Wir brauchen Visionen und sollten uns auch den Raum geben, Visionen haben zu dürfen. Wenn wir immer nur in unserem Hamsterrad eingesperrt sind, wir keinen Blick nach links und rechts werfen, dann haben wir auch keine Chance weiterzukommen und zu sehen, was kommt. Ich mag den folgenden Spruch, den ich auf einem Kalender gelesen habe: „Wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche.“ (Keine Werbung für das gleichnamige Buch von Hannes Jaenicke, oder vielleicht doch) Ich erinnere hier an eine bekannte Methode zum divergent thinking: die Walt-Disney-Methode, die uns in unterschiedliche Rollen und somit Perspektiven schlüpfen lässt. Ein*e Visionär*in ist als Träumer*in ebenfalls dabei.
  • Understanding: Wir sollten Herausforderungen annehmen, die Gründe zu verstehen versuchen. Wenn alles unsicher ist, sollten wir uns die Mechanismen anschauen, die im Hintergrund wirken, um das System zu verstehen. Nur so können wir uns an Herausforderungen anpassen

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  • Clarity: Gerade in Zeiten der Ambiguität brauche ich Klarheit in der Sprache. Ich mache mich ja über Wörterbücher Mann-Frau – Frau-Mann immer wieder gerne lustig. Aber wer mich und meinen konstruktivistischen Hintergrund kennt, der weiß, was jetzt kommt: Wir können keine Gedanken lesen. Wenn wir etwas wollen, müssen wir es sagen und zwar so, dass es unser Gegenüber versteht. Für den Unterricht bedeutet das vielleicht, Scaffolding zu betreiben, in meiner Studienzeit wurde von Vorentlastung gesprochen. Auch hier gibt’s einen schönen Spruch, den ich als Bild teilen will.
  • Agility: Für mich eine Kernkomponente ist die Agilität, in der auch Flexibilität steckt. Wir gehen neue Wege, wir passen uns an – wir müssen uns anpassen, nicht aber ohne selbst zu denken und ein Individuum zu bleiben. Wir betreiben Lifelong Learning, wir lernen immer (ich höre beispielsweise nebenbei gerade Musikstücke, die ich beim Weihnachtskonzert spielen werde, damit ich die Melodie, Rhythmik, Dynamik, Agogik quasi verinnerliche) und überall (über die Notwendigkeit der Pause haben ich schon gebloggt). Die Kunst ist aber, sich anzupassen und flexibel zu sein, ohne zum Herdenschaf zu werden.
Quelle: YouTube

Statt eines Gedankenspiels…

…abschließend einige Fragen – auf die ich die Antworten nicht habe oder nicht geben möchte:

Wie passt ein Bildungssystem in diese Welt,

  • in dem Multiple-Choice-Prüfungen Standard sind?
  • in dem in der Dichotomie von analog und digital gedacht wird?
  • in dem Lehrer*innen meinen, Social Media nicht thematisieren zu müssen, weil sie selbst sie ablehnen?
  • in dem das Smartphone als Ressource verboten wird, weil die Schüler*innen es ohnehin privat die ganze Zeit nutzen?
  • in dem es möglich ist, im Sprachunterricht Texte auswendig zu lernen, um sie bei Schularbeiten hinzuschreiben und dafür eine gute Note zu bekommen?

Ich bin mir sicher, Sie haben noch viele weitere Fragen, die sich aus VUCA und VUCAA ergeben… Eine schöne, kompakte Zusammenschau der Herausforderungen hat Ines Bieler (@seni_bl) als Präsentation zusammengestellt.

Und was ist mit diesen 4C?

Wenn man diesen zweiten VUCA-Ansatz als Anforderungsansatz sieht, kann er als Mitbewerber zum 4C-Modell gesehen werden, das gerne als Modell der 21st Century Skills bezeichnet wird. Warum es das aber eigentlich gar nicht ist und warum wir mindestens ein 6C-Modell daraus machen sollten, dazu folgt ein eigener Post.

Also: #staytuned oder #tbc

[PS: Kaum ist der Post draußen, kommt auch schon eine tolle Ergänzung – Danke an Armin Hanisch (@DerLinkshaender) für den Tipp auf seinen Blogpost: We didn’t start the fire – it was always VUCA]

[PPS: Nachtrag vom 8.9.2019: Und auch der_mike (@Tartharule) hat in JAM | Beds are burning das Thema aufgegriffen – es scheint zur Zeit unter den Nägeln zu brennen – oder nicht.]

Quellen:

Für eine Keynote hatte ich mir mal mehrere Artikel und Beiträge zu VUCA durchgelesen – hier einige Beispiele (ich stimme nicht mit allem überein, was hier zu lesen ist, aber es war meine Basis):