Padlet und meine Alternativen

Wurde die digitale Pinnwand von Padlet anfangs gestürmt, entwickelten sich in der Zwischenzeit zahlreiche echte Alternativen.

Padlet & ich

Meine Geschichte bei Padlet begann, als die Plattform noch Wallwisher hieß und beinahe gänzlich unbekannt war. In den letzten zehn Jahren hat sich Padlet für mich zu einem ständigen Begleiter entwickelt. Es ist eine von wenigen Plattformen, die ich über die Freemium-Version hinaus als Premium-Kundin nutze. Ich habe knapp 200 Pinnwände angelegt und setze Padlet gerne in Schulungen und meiner (täglichen) Lehre ein. Das kann ich deshalb, weil ich nicht in der Schule tätig bin, denn von der DSGVO aus betrachtet, ist Padlet – sagen wir – schwierig.

Quelle: Pixabay

Was ich an Padlet schätze, sind die verschiedenen Vorlagen (z.B. Zeitleiste, Regal, Chatsimulation und Landkarte), die Möglichkeit des PDF-Exports (der eine kleine Zeitung als Artefakt erzeugt) und die Rechteverwaltung (wer kann was unter welchen Bedingungen?). Auch die farblichen Möglichkeiten (Klebezettel in verschiedenen Farben, Formatierungsmöglichkeiten der Klebezettel) und vor allem die Vorschau, die von Links erzeugt wird, sehe ich als Stärken. So kann zum Beispiel eine kommentierte Lieder- oder Videosammlung erzeugt werden, wobei das Video als Vorschaubild angezeigt wird. Durch die Kommentarfunktion und Social-Media-Ähnlichkeit (Vergabemöglichkeit von Daumen, Herzen, Sternen usw.) lässt sich asynchrone Interaktion einfügen.

Als ein Beispiel meiner Verwendung – meine Übersicht zu Open Educational Resources. Sie zeigt meine liebsten Quellen und Informationen zum Thema. Ich nutze sie gerne in Schulungen und auch in der Lehre und um mich an Quellen zu erinnern, die ich nicht so oft brauche.

Unterrichtsideen habe ich im Projekt eRom aufgeschrieben, ebenso eine ausführliche Beschreibung von Padlet und seinen Stärken und Schwächen. Und auch geblogt habe ich zu meinen Einsatzmöglichkeiten vor Jahren bereits.

Weiterführendes zu Padlet

Je nachdem, zu welchem Zweck man eine digitale Pinnwand einsetzen möchte, gibt es zahlreiche Alternativen, die teilweise kostenfrei, teilweise als Freemium-Versionen angeboten werden.

Trello

Wer eine Kanban-Planung erstellen möchte, wie sie auch von Padlet in der Vorlage Tafel vorgeschlagen ist, ist bei Trello (@Trello) gut aufgehoben. Hier können einzelne Arbeitspakete erstellt werden, dazu dann einzelne Aufgaben, die dann von Gruppenmitgliedern übernommen werden können. Die Einarbeitung ist relativ kurz, Trello sehr intuitiv. Armin Hanisch (@DerLinkshaender) hat dazu schon 2018 einen Blogpost geschrieben: Padlet, Trello und Kriterien für Tools.

Methodisch gesehen könnten man hier neben einer Projektplanung auch einen offenen Stationenbetrieb oder auch Themensammlungen erstellt werden. Die Mitglieder eines Trello-Boards sammeln zu unterschiedlichen Themen Materialien oder Übungen oder Vokabeln. Hier sind unterschiedliche Szenarien denkbar.

TaskCards

Vor knapp einem Monat hat Armin das #twitterlehrerzimmer auf eine neue Alternative zu Padlet, Trello und Co aufmerksam gemacht: TaskCards statt Padlet oder Trello?

TaskCards (@TaskCards_) ist dank deutscher Server-Standorte und einem sensiblen Umgang mit dem Datenschutz DSGVO-konform und somit auch in der Schule einsetzbar. Wer seine Padlet-Pinnwände zu TaskCards migrieren möchte, findet eine Anleitung bei Armin: Indiana JSON und der letzte Export. TaskCards ist noch sehr jung und kurz am Markt, die zahlreichen Update-Meldungen zeigen aber, dass im Hintergrund fleißig am Back- und Frontend gearbeitet wird, dass die Bedürfnisse der Nutzer*innen wahrgenommen werden und nach Lösungen gesucht wird. Eine Entwicklung, die es sicher wert ist, verfolgt zu werden.

Weiterführendes zu TaskCards

Wakelet

Ich für mich habe – Danke Ines Bieler (@seni_bl) – vor zwei Jahren für mich Wakelet (@wakelet) entdeckt und nutze es als Alternative zu Padlet, wenn ich Linksammlungen erstelle. Es ist meine bevorzugte Content-Curation-Plattform geworden, seit ich die kostenfreie Version von Scoop.it voll ausgereizt habe. Ich lege mir auf Wakelet Lesezeichen ab und kommentiere diese, damit ich auch weiß, warum ich ein Lesezeichen abgelegt habe. Ich stelle meinen Studierenden Materialien und Sammlungen zur Verfügung, ich arbeite gemeinsam mit Kolleg*innen an Linksammlungen, ich teile meine Rezepte über Wakelet, ich sammle Materialien für Blogposts usw. Wakelet ist für mich zum wichtigsten Werkzeug für mein persönliches Wissensmanagement geworden – vor allem da es für Browser eine Erweiterung gibt, die es erlaubt, offene Browsertabs einfach per Drag-and-Drop auf das passende (oder auch mehrere passende) Board(s) zu legen.

Hier meine öffentlichen Sammlungen.

Weiterführendes zu Wakelet

Lino

Wer ein einfaches Board sucht, um Sticky Notes ablegen zu können, ist bei Lino gut aufgehoben. Fotosammlungen oder Linksammlungen oder eine Ideensammlung als Vorbereitung einer Mindmap sind hier einfach zu erstellen. Man kann das Board ohne Anmeldung ausprobieren, zum Erstellen eigener Boards ist eine Anmeldung erforderlich.

Quelle: Pixabay

Mural

In den letzten Wochen und Monaten hat sich Mural als eine gute Alternative zu Padlet entwickelt und wird auch auf Konferenzen und in Videokonferenzen gerne genutzt, um Inhalte zu sammeln oder auch zu veranschaulichen. Hier können verschiedene Bereiche angelegt werden und man kann zum Beispiel Sticky Notes ablegen oder auch Zuordnungen zu bestimmten Gruppen abfragen (wie beispielsweise am Beginn einer Veranstaltung oder als Blitzlichtrunde).

Komfortzonen hat einen Überblicksartikel zu Kollaboration am virtuellen Whiteboard mit Mural erstellt. Franziska Blickle gibt einen Einblick in ihre Nutzung: MURAL – Wer, was oder wo ist das denn? Und auch digicomp.ch zeigt auf Mit diesem Tool werden Online Meetings endlich produktiver das Potential dieses Whiteboards auf.

Flinga

Ein weiteres, recht einfaches Werkzeug zum gemeinsamen Brainstormen und Austauschen ist Flinga. Es lässt sich als Whiteboard ebenso einsetzen wie zum Sammeln von Feedback oder Fragen während eines Vortrags. Schön ist, dass es die Möglichkeit gibt, die gesammelten Ideen wie in einer Mindmap durch Striche zu verbinden und so Abhängigkeiten oder Zusammenhänge herzustellen (Ähnliches kann auch Padlet mit der Vorlage Wand). Nele Hirsch (@ebildungslabor) hat Flinga in einem Blogpost ausführlich beschrieben, einen Screencast zur Nutzung erstellt und auch Einsatzmöglichkeiten im Unterricht gesammelt.

Weiterführendes zu Flinga

Cryptpad

Eine umfangreiche Sammlung an Werkzeugen bietet CryptPad, darunter eine Kanban-Vorlage und auch ein Whiteboard. CryptPad kann ohne Anmeldung genutzt werden, besitzt man ein (kostenfreies) Konto, kann man die einzelnen Ressourcen (ob Pad, Präsentation, Tabelle, Umfrage, Kanban oder Whiteboard) im CryptDrive abspeichern und auch nachträglich in den Einstellungen noch bearbeiten.

Miro

Miro ist ein sehr mächtiges Online-Whiteboard, das sich selbst als Online Visual Collaboration Platform for Teamwork bezeichnet. In der kostenfreien Version können drei bearbeitbare Boards erstellt werden. Es gibt Templates, die man wählen kann. Ein gemeinsames Arbeiten ist möglich. Man muss beim Nutzen wirklich eingearbeitet sein. Hier ein kurzes Video von Erwachsenenbildung EKHN:

Eine Darstellung liefern auch die Agile Heroes. Auch die Seite von Mittwald gibt eine kompakte Übersicht und nennt Miro das Schweizer Taschenmesser für agile Teams. Wie bei einem Schweizer Taschenmesser fühle ich mich aber auch bei Miro immer ein wenig überfordert in Hinblick auf die Funktionen. Ich kann einiges zweckentfremden, weiß bei einigen Dingen gar nicht, wofür ich sie brauche. Ich persönlich fühle mich bei Miro immer ein wenig erschlagen. Aber vielleicht habe ich es einfach zu wenig getestet oder auch für mich noch keinen passenden Zugang gefunden.

Conceptboard

Conceptboard ist ein Online-Whiteboard, das in der kostenfreien Version sehr viele Funktionalitäten bietet. Hier können auf der weißen Oberfläche verschiedene Bereiche eingerichtet werden, die dann mit Inhalten gefüllt werden können. Eine Einarbeitung ist aufgrund der zahlreichen Funktionen notwendig, das Tool an sich nicht ganz so intuitiv – die Selbstverständlichkeit kommt mit der Nutzung und Erfahrung. Sebastian Burkart hat ein kurzes Video zu Conceptboard erstellt:

Einen guten Ein- und Überblick in Conceptboard gibt auch der Lehrstuhl für Didaktik der Physik der LMU München.

LearningApps

Bislang hatte auch LearningApps eine Vorlage für eine digitale Pinnwand. Diese wird jedoch nicht mehr unterstützt und mit Juli 2021 verschwindet die Möglichkeit gänzlich. Hier ein Beispiel. Das finde ich persönlich schade, da ich gerne wenige Werkzeuge nutze, diese jedoch in ihrer vollen Umfänglichkeit. Die Anwender*innen sollen sich nicht in viele Werkzeuge einarbeiten müssen, sondern einige wenige sicher nutzen. Das geht nun auf LearningApps nicht mehr.

Wer noch weitere Alternativen zu Padlet sucht, wird im Internet sicher fündig. Hier ein paar Beiträge:

Was passt nun für mich?

Diese Frage kann ich nicht beantworten, denn die Beantwortung hängt von den Lernzielen und den eigenen Zielen ab. Was möchte ich machen? Was soll das Ziel und das Produkt sein? Welche Ansprüche habe ich? An welche Zielgruppe richte ich mich? Ich bin ja mittlerweile wirklich der Meinung, dass weniger mehr ist. Wenige digitale Werkzeuge aber diese dann aktiv nutzen. Sonst werden die Teilnehmer*innen überfordert. Allerdings sollte man, davon bin ich überzeugt, auch Alternativen kennen, um einen Plan B zu haben oder auch auf z.B. Serverausfälle reagieren zu können, ohne Schnappatmung zu bekommen.

Ich für mich arbeite hauptsächlich mit Padlet und Wakelet sowie mit Lino und habe Flinga vor kurzem für mich entdeckt. Noch jedoch habe ich es nicht ausführlich genug genutzt und getestet. Es ist eher als Brainstorming-Möglichkeit im Einsatz (dazu folgt aber noch ein weiterer Blogpost). Trello verwende ich in größeren Projekten sehr gerne und habe es im Projekt um L3T mit Sandra Schön & Martin Ebner aktiv genutzt. In der Lehre nutze ich für Projektpakete und das Aufzeigen von Fortschritten eher Padlet. Mural kenne ich nur aus der Sicht der Teilnehmerin und möchte es jetzt auch mal produktiv testen und einsetzen. Ich freue mich aber über und auf Einsatzbeispiele und Erfahrungsberichte als Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

drei − drei =